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Roland Held, Darmstadt, Mai 2003
Geräte im Schwebezustand
Objektkunst - Roger Rigorth stellt in der Griesheimer
Wagenhalle aus: monumentale Arbeiten, die nach Technik aussehen,
aber ihren eigenen Gesetzen gehorchen.
In diesen Wochen kommt man sich in der Wagenhalle Griesheim vor
wie in einem Museum für Technikgeschichte. Monumentale Geräte
aus Holz, Eisen, Sisal- und Kokosfasern stehen herum oder hängen
von der Decke, jedes mit viel Abstand vom nächsten, als wäre es
umgeben von einem Bannkreis des Rätsels: Was ist die jeweilige
Funktion?
Aufgebockt ist da ein massives Boot in Kanuform, durchbrochen
von einem Schlitz in Längsrichtung; darin ist ein großes, rostiges
Rad eingehängt. Oder das Gegenstück des Bootes, mit zwei seitlich
schräg abstehenden Masten und Spitzsegeln, befestigt auf schwenkbaren
Blöcken. Vom Standpunkt eines Ingenieurs scheint das alles widersinnig,
kontraproduktiv. Oder handelt es sich um Geräte nicht aus der
Vergangenheit, sondern aus der Zukunft der Technik, Geräte, die
bislang unentdeckten Gesetzen gehorchen und zu naturnahen Materialien
zurückkehren? Dann würde es ins System passen, dass eine hölzerne
Bootsflanke Wirbel des Wuchses und braune Fäulnisspuren zeigt.
Es sind nicht nur seine Schwebeobjekte, die Roger Rigorth bewusst
in solch geistigem Schwebezustand belässt. Für den in Otzberg
lebenden Bildhauer bedeutet die ihm vom Landkreis Darmstadt-Dieburg
vermittelte Ausstellung in der Weiträumigkeit der ehemaligen Heag-Wagenhalle
eine fabelhafte chance. Die sechs Arbeiten wirken schon aufgrund
ihrer bloßen Dimensionen frappierender, ambitionierter als frühere.
Egal, ob ihre Anlage jetzt stromlinienförmige Bewegung nahelegt
oder Klang, wie im Falle des ,,Lauschers mit seinen sechs
silbernen Orgelpfeifen-Tüten, die tiefere Funktion der Rigorthschen
Objekte besteht darin, Bewegung in die Fantasie des Betrachters
zu bringen und ihn mit Staunen zu erfüllen
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Dagmar Burisch, Goddelau, September 2002
Die Arbeiten des Holzbildhauers Roger Rigorth bedienen sich
poetischer Bildlichkeit.
Seine Objekte und Skulpturen aus Holz in Verbindung mit Metall
oder Naturstoffen wie Sisal und Ton, formen Symbole. Archetypische
Zeichen, die im Bewusstsein jedes Menschen wohnen und zuweilen
im Traum, in der Vision und der Fantasie Gestalt gewinnen. Mit
Sinnbildern wie dem Schiff, dem Rad und dem Ei verbinden sich
unzählige Assoziationen, ja erschließen sich weite Erzählfelder.
Die Schiffsallegorie etwa hält eine Menge Anknüpfungspunkte bereit:
Man denkt an das Lebensschiff auf seiner Fahrt über das Meer der
Welt.
Mythologisches kommt einem in den Sinn: Die Odyssee, die Abenteuer
der Argonauten oder auch Charon, der Fährmann, der die Seelen
der Verstorbenen über den Fluß Styx in die Unterwelt bringt
Roger Rigorth geht aber noch einen Schritt weiter, indem er die
Symbole miteinander kombiniert.
Dabei entstehen absurde Kompositionen wie das aufgebockte Schiff,
dem ein eisernes Speichenrad einverleibt ist.
Zur Unbeweglichkeit verdammt, steigert sich im paradoxen Zusammenspiel
der Sinnbilder erst recht die Sehnsucht nach Bewegung, Aufbruch
und Veränderung.
Roger Rigorth lässt bewusst Materialien und Symbole miteinander
kontrastieren, um so einen ganz eigenen Bilderkosmos zu entwerfen.
Viele seiner Objekte umkreisen das Thema des Reisens und Fahrens
so auch die mit Bleiformen befrachteten kleinen Schiffe.
,,Schwere See lautet der aussagekräftige Titel dieser Installation.
Rigorth forscht nach den Bedingungen für Bewegung und Unterwegssein,
seine Boote berichten von abenteuerlichen Überfahrten dem Horizont
entgegen und darüber hinaus. Auch den aufgeklärten Weitreisenden
tragen sie über die Welt hinaus ins Land des Utopischen, Mythischen
und Poetischen.
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H. Runge, Darmstadt, 1993
Ernste Träumer
Ikarus stieg aus. Er kann nicht abgestürzt sein. Jedenfalls wurde
die Absturzursache, die von der griechischen Sage genannt wird,
von der modernen Physik widerlegt. Ikarus überlebte. Zwar ist
er verschwunden, sein Fluggerät aber hat er sich ordentlich abgeschnallt,
es hängt unversehrt mitten im Raum von der Decke. Aus Holz ist
es im wesentlichen gemacht, hölzerne Späne sind bei näherem Hinsehen
auch die Federn. Anstelle des leidenschaftlichen Fliegers der
Sage treffen wir den Künstler an. Ikarus ist für ihn keine Person,
sondern eine Allegorie für einen alten Menschheitstraum. Dieser
Traum ist nie mit seinen Träumern abgestürzt. Rigorth stellt sich
das Fliegen heute noch als Traum das. Auch die Profanisierung
des Fliegens durch den Linienflugverkehr, für den das Fliegen
mehr ein organisatorisches Problem denn ein Traum ist, konnte
den Traum nicht zum Absturz bringen. Er sucht letzte Wahrheiten
und essentielle Antworten. Die Form des Werkes ist für ihn vor
allem Mittel zum Zweck. Rigorth ist ein Träumer. Er ist ein Ikarus.
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